Wer das Beste aus seiner Growbox herausholen möchte, stößt schnell auf die Screen of Green (ScrOG) Methode. Diese hochentwickelte Anbautechnik nutzt ein einfaches Gitter oder Netz, um das Höhenwachstum von Cannabis-Pflanzen zu kontrollieren und die Lichtausbeute dramatisch zu verbessern. Statt einer einzelnen, dominanten Hauptblüte (Apikaldominanz) zwingt ScrOG die Pflanze dazu, ein flaches, gleichmäßiges Blätterdach aus unzähligen, perfekt ausgeleuchteten Top-Buds zu bilden.
In diesem umfassenden Guide erfährst du, wie die ScrOG-Methode funktioniert, welches Equipment du benötigst und wie du dein Setup Schritt für Schritt für maximale Ernten optimierst.

Warum ScrOG der ultimative Ertrags-Booster ist
In einem natürlichen Lebenszyklus wächst Cannabis wie ein Weihnachtsbaum: ein großer Haupttrieb in der Mitte, umgeben von kleineren, schattigeren Seitentrieben. Da künstliches Licht aus LED-Lampen im Gegensatz zum Sonnenlicht mit zunehmendem Abstand schnell an Intensität verliert, bekommen die unteren Triebe oft nicht genug Energie.
Das Prinzip von Screen of Green löst dieses Problem elegant:
- Perfekte Lichtnutzung: Durch das Einflechten der Triebe in ein horizontales Netz positionierst du alle Blütenknospen auf exakt derselben Höhe. Jede einzelne Blüte badet im maximalen Lichtstrom.
- Optimale Belüftung: Das flache, ausgedünnte Blätterdach ermöglicht eine exzellente Luftzirkulation unterhalb des Netzes. Das minimiert das Risiko von Schimmel und stehender Feuchtigkeit drastisch.
- Mehr Ertrag pro Pflanze: ScrOG eignet sich hervorragend, um selbst mit einer einzigen Pflanze ein komplettes Growzelt lückenlos auszufüllen.
- Effizientes Höhenmanagement: Perfekt für niedrige Growboxen oder Keller-Grows, da das vertikale Wachstum der Pflanzen in die Horizontale umgeleitet wird.
Anbau & Eigenschaften im ScrOG
Nicht jede Cannabis-Sorte reagiert gleich auf das Training mit dem Netz. Für einen erfolgreichen ScrOG-Grow solltest du die physiologischen Eigenschaften deiner Pflanzen genau kennen:
- Stretching (Dehnungsphase): Während der ersten 2 bis 3 Wochen der Blütephase strecken sich Cannabis-Pflanzen extrem. Sativas dehnen sich oft um 200–300 %, während Indicas kompakter bleiben. Nutze diese Dehnungsphase aktiv, um das Netz vollständig mit Trieben auszufüllen.
- Hohe Flexibilität der Triebe: Sorten mit biegsamen, elastischen Ästen lassen sich deutlich einfacher unter das Netz flechten, ohne abzubrechen.
- Starke Regeneration: Die Pflanzen müssen High-Stress-Trainingstechniken (wie Topping) gut vertragen, da das Kappen des Haupttriebs die Grundvoraussetzung für die Verzweigung im ScrOG ist.
- Wachstumsphase einplanen: Da die Pflanzen flach in die Breite trainiert werden, verlängert sich die vegetative Phase von Cannabis im Vergleich zu unmanipulierten Pflanzen um etwa 2 bis 4 Wochen.
Optimales Setup für deinen ScrOG-Grow
Um ein perfekt ausbalanciertes Blätterdach zu kreieren, muss deine technische Ausrüstung mitspielen. Ein professionelles Setup verhindert Hotspots und sorgt für eine gleichmäßige Energieverteilung.
Das richtige Licht & Steuerung
Da das Blätterdach beim ScrOG extrem breit gefächert ist, benötigst du eine Lichtquelle mit einer flächigen und homogenen Ausleuchtung bis in die Ecken. Eine punktuelle Beleuchtung würde die Ränder verhungern lassen. Erstklassige Ergebnisse erzielst du mit den Modellen unserer Smart Grow Light Series im Überblick. Durch die perfekt abgestimmten Dimm-Stufen und Lichtspektren kannst du die Intensität während des horizontalen Wachstums optimal anpassen.
Das Netz (Screen) und Zelt-Infrastruktur
Spann dein ScrOG-Netz (aus elastischem Gummi oder robustem Nylon) etwa 20 bis 40 cm über den Töpfen auf. Die Maschenweite sollte idealerweise zwischen 5×5 cm und 10×10 cm liegen. Achte darauf, dass das Netz straff gespannt ist, um dem Druck der wachsenden Triebe standzuhalten. Wenn du noch ganz am Anfang stehst und ein aufeinander abgestimmtes Gesamtsystem suchst, greife am besten direkt zu unserem voll ausgestatteten Grow Komplettset.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: So wendest du ScrOG richtig an
Schritt 1: Das Topping (Kappen)
Sobald deine Pflanze etwa 5 bis 6 Blattknoten (Internodien) gebildet hat, kappst du den Haupttrieb direkt über der neuesten Verzweigung. Dadurch brichst du die Apikaldominanz und regst die Pflanze dazu an, kräftige Seitentriebe zu bilden. Wie das genau und sicher funktioniert, erfährst du in unserer detaillierten Cannabis Topping Anleitung.
Schritt 2: Das Netz installieren & einflechten
Bringe das Netz an. Sobald die ersten Triebe durch die Maschen wachsen, drückst du sie vorsichtig unter das Netz und leitest sie in die benachbarten, äußeren Maschen um. Arbeite dich von der Mitte des Netzes spiralförmig nach außen vor. Das Ziel ist es, jede Masche mit genau einem Trieb zu besetzen.
Schritt 3: Die Blüte einleiten
Schalte die Beleuchtung auf den 12/12-Rhythmus um, wenn das Netz zu etwa 60 % bis 70 % (bei Sativas) oder 70 % bis 80 % (bei Indicas) gefüllt ist. Den Rest des Netzes füllen die Pflanzen während des eingangs erwähnten Blütestrecks (Stretch) in den ersten Blütewochen von ganz allein aus.
Für wen ist die ScrOG-Methode geeignet?
Die Screen of Green Methode ist ein fantastisches Werkzeug, erfordert jedoch Aufmerksamkeit:
- Ideal für Kleingrower / Stealth-Grows: Wenn du nur wenig Platz nach oben hast (z.B. in niedrigen Zelten oder Schränken), ist ScrOG die beste Methode, um die Pflanzenhöhe perfekt zu kontrollieren.
- Perfekt bei geringer Pflanzenanzahl: Ideal für Grower, die aus gesetzlichen Gründen oder Platzmangel nur 1 bis 3 Pflanzen anbauen, aber dennoch das absolute Maximum an Ertrag pro Quadratmeter herausholen wollen.
- Erfordert Geduld: Nichts für ungeduldige Züchter. Da die Wachstumsphase verlängert werden muss, um das Netz auszufüllen, dauert der gesamte Grow etwas länger. Zudem ist das tägliche manuelle Einflechten der Triebe arbeitsintensiv.
Hinweis für Autoflower-Liebhaber: Bei selbstblühenden Sorten ist ScrOG nur bedingt zu empfehlen. Da diese Sorten eine feste, sehr kurze vegetative Phase haben, reicht die Zeit oft nicht aus, um das Netz effektiv zu füllen. Mehr zu den Grenzen des Trainings bei Automatics erfährst du im Artikel darüber, ob man Autoflower-Cannabispflanzen klonen kann.
Tipps & Tricks für den perfekten Screen of Green
- „Lollipopping“ unter dem Netz: Sobald sich das Blätterdach über dem Netz geschlossen hat, gelangt kein Licht mehr nach unten. Entferne alle Blätter, Triebe und Mini-Blütenansätze unterhalb des Netzes rigoros. Dies lenkt die gesamte Energie der Pflanze in die oberen Hauptbuds und verbessert die Luftzirkulation massiv.
- Stressfreie Nährstoffversorgung: Da die Pflanzen durch das intensive Training Höchstleistungen erbringen müssen, benötigen sie ein vitales und gesundes Wurzelsystem. Unterstütze das Bodenleben in dieser Phase am besten mit unserem biologischen Wurzelaktivator Wurzel Wunder 100% Natural.
- Vorsicht vor Astbruch: Sollte dir beim Herunterbinden und Einflechten unter das Netz doch einmal ein Trieb anknicken oder anreißen, ist das kein Weltuntergang. Verwende etwas Pflanzen-Tape, um die Bruchstelle fest zu stabilisieren. In den meisten Fällen heilt die Pflanze den Riss innerhalb weniger Tage von selbst.
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FAQ: Häufig gestellte Fragen zur ScrOG-Methode
1. Wann sollte ich das ScrOG-Netz installieren?
Installiere das Netz am besten in der späten vegetativen Phase, sobald deine Pflanzen nach dem Topping mehrere starke Seitentriebe gebildet haben und eine Höhe von ca. 20 bis 30 cm erreichen. Das Netz sollte ca. 5 bis 10 cm über den aktuellen Triebspitzen hängen, damit du die Triebe sofort beim Hineinwachsen flachlegen und fixieren kannst.
2. Kann ich die Pflanzen nach dem Einflechten noch bewegen?
Nein, das ist einer der wenigen Nachteile der ScrOG-Methode. Sobald die Triebe der Pflanze fest in das Netz eingeflochten und herangewachsen sind, sind Pflanze und Netz untrennbar miteinander verbunden. Ein Herausholen der Töpfe aus der Box (z.B. zum Gießen oder Spülen) ist dann nicht mehr ohne Weiteres möglich. Achte daher vor dem Einweben auf einen gut zugänglichen Aufbau deines Bewässerungssystems.
3. Eignet sich jede Cannabis-Sorte für ein ScrOG-Setup?
Prinzipiell ja, aber Sativa-dominante Hybride eignen sich aufgrund ihrer natürlichen Elastizität und ihres ausgeprägten Dehnungsverhaltens (Stretch) besonders gut. Reine Indica-Sorten wachsen oft sehr gedrungen und weisen extrem dicke, starre Äste auf, die beim Einflechten unter das Netz leichter brechen können. Hier ist beim Training besondere Vorsicht geboten.